Der Gemüsegarten

Vorbei an der Weide und neben meinem Arbeitstisch gibt es einen schmalen Durchgang, der oft von Besuchern übersehen wird. Er führt auf das ehemalige Nachbargrundstück, unseren „neuen Garten“.

Als wir die ca. 450 qm große Parzelle vor knapp zehn Jahren von unseren Nachbarn erwarben, bestand sie aus ca. 70% Rasenfläche und 30% Brachland. Auf Letzterem hatte sich flächendeckend Giersch ausgebreitet, aus dem einige schiefe Fichten und mehrere Baumstümpfe herausragten.

Nichts davon erschien uns erhaltenswert, so dass wir tabula rasa machen konnten.

Unser freundlicher Nachbar beseitigte mit seinem Trecker die Bäume und Baumstümpfe und entfernte auch die alte Weißdornhecke, die das Grundstück zur Straße begrenzte. Lediglich ein sehr alter Pflaumenbaum, an den ich eine Ramblerrose setzte, und ein hoher Kirschbaum blieben stehen.

Pläne für die Gestaltung der neu hinzugewonnenen Fläche hatte ich zur Genüge, doch zunächst musste ich mich in Geduld fassen. Die gierschbedeckte Fläche, die später unser Gemüsegarten werden sollte, wurde für ein ganzes Jahr mit einer soliden Silagefolie bedeckt, auf die ich eine sehr dicke Schicht Holzschnitzel aufbrachte.

Anschließend setzten meine Söhne eine Friesenmauer aus gesammelten Feldsteinen zu dem höher gelegten Nachbargrundstück, um den Höhenunterschied abzufangen und die dort sichtbaren Betonsteine zu kaschieren. Sichtschutz sollte eine auf den Wall gepflanzte Thujahecke bieten, die auch sehr schnell in die Höhe schoss.

Unter der Weide legten wir einen Zweikammerkompost an, der jedes Jahr umgeschichtet wird. Mit diesem Kompost dünge ich den Garten.

Nachdem das Jahr vergangen war, befreiten wir die Fläche von der Silagefolie und entdeckten eine dicke Schicht weißer Wurzeln und Triebe. Der Giersch hatte den Kampf um bessere Lichtverhältnisse verloren und ist bis heute nicht wieder aufgetaucht.Die Methode war also erfolgreich.

Nun konnte ich mit der Anlage des Gemüsegartens beginnen.

An der dem Kompost gegenüberliegenden Seite errichtete ich ein hohes Spalier, an das ich eine Eierpflaume und eine Williams Christ Birne pflanzte. In der Mitte ließ ich einen Durchgang frei, der ein kleines Gatter erhielt. Wenn man durch diese Öffnung tritt, befindet sich auf der linken Seite der Friesenwall mit der Thujahecke, die inzwischen fast vollständig das Nachbarhaus verdeckt. Auf der rechten Seite errichtete ich einen Staketenzaun aus Kastanienholz, der in der Mitte ebenfalls von einem Törchen unterbrochen wird. Hier gelangt man zur Narzissenwiese.

An der vierten Seite, die zum nächsten Nachbargrundstück hin liegt, errichtete ich eine Sichtschutzwand aus Holz, die ich in Schwedenrot strich.

Den Gemüsegarten unterteilte ich in vier Beete und setzte in die Mitte ans Wegekreuz eine Hochstammrose.

Vor die Wand baute ich aus Holzresten und Zierelementen, die ich noch fand, eine Philosophenbank. Bei Regen (und natürlich auch im Sonnenschein) sitzt es sich dort recht gemütlich. Es ist nicht nur einer meiner bevorzugten Sitzplätze , sondern wird auch von der Katze des Nachbarn gern genutzt (was meinen Zierkissen nicht so gut tut).

Alle Wege werden im Frühling mit dem anfallenden Schreddermaterial bedeckt, das bei den Baumschnittaktionen im Winter anfällt. Ein sinnvoller Kreislauf.

Nachdem die Beete abgestochen waren, fasste ich sie nach alter Bauerngartenmanier mit Buchs ein und bemühte mich, sie sinnvoll nach der Vierfeldermethode zu bepflanzen. Dabei musste ich leider feststellen, dass die rote Wegschnecke meine Bemühungen sehr zu schätzen weiß und jede Ernte bestimmter Gemüsesorten unmöglich macht.

Zwar wendete ich alle erdenklichen Methoden der Schneckenvernichtung an (Kupferzäunchen um die Beete, ausgelegte Bretter, Schneckenkorn in Massen, bereits im März erstmalig ausgestreut, abendliches Absammeln, Bierfallen etc. etc.) , doch die Schnecken torpedieren meine Maßnahmen.

Da unsere Nachbarn gute Erfolge mit indischen Laufenten erzielten, erwog ich auch deren Einsatz, doch die Haltung ist zu aufwendig und der Dreck, den sie hinterlassen, stört mich schon.

Ich versuchte, die Schnecken auszutricksen: So stellte ich ein Hochbeet (aus England ran geschleppt) auf, doch die Schnecken kletterten kurzerhand in das Beet und vertilgten über Nacht alle Gemüsepflänzchen. Um wenigstens Kartoffeln ernten zu können, pflanzte ich diese in sogenannte Forcer Pots, große tönerne Gefäße ohne Boden.

Immer, wenn die Kartoffeln ein Stück weitergewachsen waren, füllte ich die Gefäße nach und nach mit Erde auf und häufelte somit die Kartoffeln an. Zum Schluss ragte dann das Kartoffelkraut oben aus der Öffnung und, wenn dieses verwelkt war, konnte man die Töpfe anheben und die fertigen Kartoffeln kullerten einem entgegen. Das funktionierte auch einige Jahre sehr gut, aber irgendwann begannen die Schnecken an den Forcer Pots hochzuklettern und das Kartoffelkraut über Nacht zu verschlingen.

Es machte wirklich keinen Spaß mehr!

Inzwischen bin ich dazu übergegangen, nur noch die Gemüsesorten zu setzen, die von den Schnecken verschmäht werden, wie z.B. roter Mangold, Mais,viele Kräuter, Zwiebeln und Lauch. Viel Auswahl bleibt da nicht, aber was soll ich machen ? Lediglich das Erdbeerbeet habe ich noch nicht aufgegeben, obwohl wir seit drei Jahren schon keine einzige Erdbeere mehr gepflückt haben.

Eine Hoffnung habe ich noch: Ich würde gern Gemüse in einem Gewächshaus ziehen. Dort wäre es vor den Schnecken geschützt. Daher träume ich nun von einem viktorianischen Glashaus, das wir entweder aus England holen oder selbst bauen.

Vorerst bleibt das noch eine Traumvorstellung, aber ich arbeite daran !

Vom Gemüsegarten aus kann man durch eine Tür in der rückwärtigen Wand in einen Gartenraum gelangen, den ich sowohl als Sitzplatz als auch als Stauraum für Baumaterialien nutze. Dieses Stückchen Land konnte nicht erworben werden, aber ich hatte das Glück, es von dem neuen Besitzer des Nachbarhauses zu pachten.

Im letzten Jahr baute ich zwischen der Sitzlaube und der erwähnten Tür ein überdachtes Regal, in dem meine Sammlung alter Bienenkörbe untergebracht ist.

Ein antiker Bienenkasten (beehive) und zwei Nachbauten aus England befinden sich ebenfalls im Gemüsegarten.

Wenn wir uns nun durch die Pforte zur Narzissenwiese begeben, kommen wir an einem sehr alten Johannisbeerhochstamm vorbei. Ich habe ihn bereits seit knapp 30 Jahren und pflanzte ihn von einem Gemüsegarten in den nächsten um, doch er nahm mir das nie übel und trägt zuverlässig jedes Jahren Massen an roten Johannisbeeren.